Islampress

Die Antwort der Bundeszentrale

DER VORGANG

Wie wir schon berichtet hatten, war die Bundeszentrale für politische Bildung vom Blog der Arbeiterfotografie in aller Form darauf aufmerksam gemacht worden, daß sie in ihrem Antisemitismus-Dossier auf der Webpage der Zentrale dem Präsidenten Irans eine Behauptung in den Mund legt, Israel nämlich von der Landkarte tilgen zu wollen, die er nach heutigem Kenntnisstand offensichtlich gar nicht gemacht hatte. Die jetzt durch Dr. Hübinger erfolgte Antwort der Bundeszentrale verdient Beachtung: Sie steckt voller Täuschungen und widerspricht zudem dem Wortlaut des eigenen Textes. Lügen aber haben kurze Beine.

DIE ANTWORT

Für die Bundeszentrale für politische Bildung schreibt deren Vizepräsident Dr. Bernd Hübinger in seiner Antwort am 3. März 2008:

Sehr geehrte Frau Fikentscher, sehr geehrter Herr Neumann,

bei der von Ihnen bemängelten Formulierung auf der Website der bpb handelt es sich nicht um ein Zitat, sondern um die Paraphrase von Äußerungen des iranischen Präsidenten, die weltweit für Empörung gesorgt haben. Die Formulierung steht im Einklang mit Darstellungen diverser seriöser Medien. Die über die nachfolgend angefügten Links (Zugriff 25.2.2008) zugänglichen, beispielhaften Texte und Darstellungen zu diversen Äußerungen Ahmadinedschads dürften hinreichend deutlich machen, welche Haltungen er Israel gegenüber eingenommen hat.

http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2263137,00.html
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,381752,00.html http://www.tagesschau.de/ausland/meldung153740.html
http://www.faz.net/s/RubE073BC45BF914FEAA6F729039898A785/ DocE7341392685F74D4F8C8267FECE300169ATplEcommonScontent.html
http://www.netzeitung.de/spezial/nahost/371986.html

Die bpb hält daher an der gewählten Formulierung fest.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bernd Hübinger
[Sperrungen von mir]

DIE ANALYSE DER ANTWORT

Die Antwort des Vizepräsidenten der Bundesanstalt für politische Bildung ist, sieht man nur einmal genauer zu, voller Täuschungen und Falschheiten.

Wenn Dr. Hübinger schreibt, es handele sich bei dem monierten Text nicht um ein Zitat, sondern bloß um eine Paraphrase von Äußerungen des iranischen Präsidenten, dann ist das gleich doppelt falsch.

ES IST GAR KEINE PARAPHRASE

Denn zum einen handelt es sich gar nicht um das, was man Paraphrase nennt, nämlich um eine Umschreibung, und auch nicht um eine Umschreibung verschiedener Äußerungen im Plural, sondern um die Wiedergabe eines einzigen vom iranischen Präsidenten zu einer bestimmten Gelegenheit angeblich geäußerten Satzes. Diese (vermeintliche) Wiedergabe geschieht bloß nicht in Form der direkten, sondern in der der indirekten Rede. So lautet der monierte Text: »Mit seiner Äußerung, Israel von der Landkarte tilgen zu wollen, sorgte Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Oktober 2005 weltweit für Empörung.«.

Wenn es wahr ist, daß der iranische Präsident dies aber der Sache nach gar nicht gesagt hat – und er hat es wohl nicht gesagt -, dann wird der monierte Text falsch, ganz gleich, ob das angeblich Gesagte in indirekter oder direkter Rede wiedergegeben wird. Ob ich, die Form der direkten Rede benutzend, sage, »Der iranische Präsident hat gesagt: “Ich will Israel von der Landkarte tilgen”.« oder ich in indirekter Rede sage, »Der iranische Präsident hat gesagt, er wolle Israel von der Landkarte tilgen«, macht in bezug auf die Wahrheit und Falschheit des Textes absolut keinen Unterschied.

UND ES IST AUCH KEINE PARAPHRASE MEHRERER ÄUSSERUNGEN

In seiner Rechtfertigung des beanstandeten Textes will Dr. Hübinger den Eindruck erwecken, jenem Text hätten mehrere “diverse” Äußerungen zugrundegelegen, deren Umschreibung, “Paraphrase”, er eben wäre. Er versucht, uns einzureden, Darstellungen “diverser Medien” müßten Darstellungen “diverser Äußerungen” Ahmadinedschads sein. Das aber st falsch und der zweite Teil eines unsäglich dummen Täuschungsmanövers.

Denn zwar benennt Hübinger als Beleg vier Links, deren Pluralität auch eine Pluralität von “Äußerungen” suggerieren möchte, tatsächlich aber beziehen sich die ersten drei davon auf eine und dieselbe am Jerusalem-Tag im im Oktober 2005 gehaltene Rede, allein die FAZ.NET spricht nebulös davon, der Päsident habe “mehrfach” mit etwas gedroht, mit dem er offenbar aber gar nicht gedroht hatte.

LÜGEN HABEN KURZE BEINE

Die schamlose Dreistigkeit des Versuchs der Täuschung durch die Erfindung einer Pluralität angeblicher Äußerungen des iranischen Präsidenten zeigt sich schlußendlich am schönsten im Wortlaut jenes Textes selbst, mit dem die Bundeszentrale weiterhin Falsches behauptet. Es steht dort nämlich:

»Mit seiner Äußerung, Israel von der Landkarte tilgen zu wollen, sorgte Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Oktober 2005 weltweit für Empörung.« [Sperrung von mir]

Wie ist es möglich, daß da einer von der Bundeszentrale herkommt und eine Mehrzahl von Äußerungen ins Spiel bringt, deren Umschreibung (“Paraphrase”) jener monierte Text angeblich sei, wenn dieser Text selbst sich bloß auf ein singuläres Ereignis bezieht!

Um es ganz offen zu sagen: Die Bundeszentrale muß von eigenartigen Leuten beherrscht sein, wenn sie nicht bloß der Wahrheit, sondern zugleich noch dem Wortlaut ihres eigenen Textes so deutlich, wie gezeigt, widerspricht.

DAS MOTIV?

Die Frage gilt dem Motiv für jenes nun entlarvte Nest an Falschheiten. Was kann eine Organisation, die den Namen des Bundes in ihrem Titel trägt, für ein perverses Interesse an Täuschung und Lüge mit dem Ziel haben, die Beibehaltung eines falschen Textes zu verteidigen?

Dieselbe Frage richtet sich auch an die Ministerialrätin im Bundesministerium des Innern, Dagmar Hesse, die eine Dienstaufsichtbeschwerde an den zuständigen Minister Dr. Schäuble bezüglich jenes monierten Textes am 20. Februar 2008 damit beantwortet, daß sie schreibt, es bestehe »keine Veranlassung für die von Ihnen gewünschte Korrektur«.

Welches Motiv steckt dahinter? – Vielleicht die Absicht, den Iran und seinen Präsidenten zum Bösewicht zu machen und so einen potentiellen Überfall der USA als angemessen oder zumindest verständlich erscheinen zu lassen?

EIN ZWEITES VERBRECHEN DER DEUTSCHEN? – REUVEN MOSKOVITZ

Vor kurzem habe ich einen klugen Mann davor warnen gehört, die Deutschen könnten nach dem ersten Verbrechen gegen die Juden durch eine völlig irre Unterstützung Israels nun ein zweites Verbrechen begehen.

Reuven Moskovitz schreibt:

Seit 32 Jahren bemühe ich mich nun, in Deutschland ein Umdenken in der politischen Beziehung zu Israel zu bewirken. In der letzten Zeit war ich oft soweit zuzugeben, dass ich nur einen Kreis von gutmeinenden Freunden erreichte, die sich genau wie ich hilflos fühlen angesichts der eskalierenden Gewalt. Diese kann nicht aufhören, solange die israelischen Regierungen, die Fanatiker und Terrorsüchtigen ungestört entscheiden, wie und wann sie die Gegend in Brand setzen wollen, vertreiben, morden, zerstören und dafür auch noch belohnt werden und gepriesen – sei es als Helden oder als ewige “Opfer”, deren Untaten in deutschen Führungskreisen mit dem “Recht auf Verteidigung” entschuldigt werden.

Der unvergessene Erich Fried schrieb Anfang der 70er Jahre, dass es nicht darauf ankomme, wann die israelische Politik angefangen habe, verbrecherisch zu sein, es komme darauf an, dass sie jetzt – 1973/74- verbrecherisch sei. Ich kann belegen, dass die Regierung seit der Staatsgründung tatsächlich Verbrechen geplant und durchgeführt hat. Wenn die demokratischen Staaten in Europa diese Art Politik nicht in die Schranken weisen, droht dem Nahen Osten und fast ohne Zweifel Europa ein verheerender Brand und Terror..

Über den Libanon-Krieg hab ich nichts zu sagen, weil er nur ein Glied ist in einer langen Kette von Brandstiftungen, die noch nicht zu Ende sind…deren Höhepunkt höchstwahrscheinlich noch kommen wird mit der Aufnahme des Erzkriegstreibers und Rassisten Lieberman ins Kabinett.

Was mich erschüttert und an den Rand der Verzweiflung treibt, ist das erschreckende Schweigen Deutschlands, nicht nur der führenden Kreise in Politik, Kirche und Gesellschaft, sondern auch und besonders das Schweigen der Millionen Menschen, die in den vergangenen Jahren auf den Straßen aufgeschrieen haben gegen Kriegsdrohung, Unterdrückung und Gewalt. Dieses Schweigen könnte man die zweite Schuld der Deutschen nennen….

SCHLUSSBEMERKUNG

Was haben deutsche Regierungen Israel und ihren immer wieder verbrecherischen Regierungen gegenüber – ich erinnere an Einsteins Warnung – alles getan. Ihnen sei gesagt, daß der Philosoph Maimonides, selbst ein Jude, einmal gesagt hatte, daß, wenn man jemandem eine Vase zerbrochen hat, und man ihm mit der Bitte um Verzeihung eine neue schenkt, und er nicht zufrieden ist, und man ihm noch eine neue und viel schönere Vase gibt und er immer noch nicht zufrieden ist, und man ihm noch eine und und eine weitere gibt und er immer noch nicht zufrieden ist und er nicht verzeiht, dann werde der Himmel jenen ewig Unzufriedenen selbst mit der Schuld dessen belasten, der die Vase zerbrochen hat.

Sicher sind Menschenleben keine Dinge wie Vasen, sondern ein über die Maßen kostbares, ja ein heiliges Gut. Wir Deutschen sollten uns dessen bewußt sein, zugleich aber jene angesprochene Weisheit des Maimonides beherzigen und endlich damit aufhören, aus lauter Reue über wirklich längst Vergangenes nun in der Gegenwart besinnungslos ein Regime zu unterstützen, das ohne Unterlaß dabei ist, jenes heilige Gut mit Füßen zu treten und gegen alle Regeln der Menschlichkeit und jeden Anstand verstößt und gerade dabei ist, die Welt in Brand zu setzen und uns Deutsche dabei erfolgreich glauben macht, immer noch wären wir die Bösen.