Islampress

Opfer immer, Täter nimmer?

Prof. Dr. Rolf Verleger, Neurophysiologe an der Uni Lübeck und Landersvorsitzender der jüdischen Gemeinschaft Schleswig Holsteins, hatte schon zur Zeit des Libanonskrieges heftige Kritik an Israel und den alle Untaten Israels gutheißenden Zentralrat der Juden in Deutschland geübt und dort für entsprechende Aufregung gesorgt. In einem gestern in der Süddeutschen Zeitung erschienenen Leserbrief fragt er, ob die Tatsache, daß die Juden Opfer eines großen Unrechts wurden, dem jüdischen Staat heute das Recht gibt, anderen Unrecht zu tun.

LESERBRIEF ROLF VERLEGERS

Mein Vater hatte Auschwitz überlebt, meine Mutter die KZs im Baltikum. Sie zogen mich in der Erkenntnis auf, dass es die Wahl zwischen Gut und Böse gibt und jeder Mensch für seine Taten verantwortlich ist: Sie erzogen mich in der Ethik der jüdischen Religion.

In seiner “Außenansicht” propagierte der Präsident des Jüdischen Weltkongresses eine alternative Ethik. Wir Juden seien vor allem eines: Opfer. Daran solle der Gedenktag 27.1. erinnern. Aktuell sei unser Staat Israel das Opfer unverständlicher Hassausbrüche von Arabern und von “selbst ernannten Gutmenschen”.

Ich würde gern Herrn Lauder fragen:

Die Tatsache, dass keiner meiner Großeltern das Dritte Reich überlebt hat, – gab sie 1947/48 den jüdischen Freischärlern und der israelischen Armee das Recht, Hunderttausende Araber aus Israel zu vertreiben?>

Die “Arisierung” des Berliner Grundstücks meines Urgroßvaters – gab sie dem Staat Israel das Recht, Anfang der 50er Jahre den Boden und Besitz der arabischen Vertriebenen zu konfiszieren?

Die Ermordung meiner Onkel und Tanten durch die SS – gibt sie dem Staat Israel das Recht, seit 40 Jahren die Diktatur eines Besatzungsregimes auszuüben?

Die Erschießung meiner Großmutter Hanna dafür, dass sie in Berlin ohne Gelben Stern zum Friseur ging – gibt sie dem Staat Israel aktuell das Recht, die Bevölkerung Gasas auszuhungern?

Allgemein: Gibt die Tatsache, dass wir europäischen Juden Opfer eines großen Unrechts wurden, dem jüdischen Staat vor Gott und vor den Menschen das Recht, nun Anderen Unrecht zu tun?

Können uns die Sonntagsreden am “Holocaust-Gedenktag” vor dieser Frage schützen?

Prof. Dr. Rolf Verleger

AD PERSONAM

WIKIPEDIA
Uni Lübeck
Kritik am Libanonkrieg