Islampress

Zeig mir den Propheten

Platz 1 des Kreativwettbewerbs von islam.de: Abu Bakr Heyn

Der 1. Preis, eine Hadsch-Reise, ging an Abu Bakr Heyn aus Freiburg, der mit seinem ungewöhnlichen Lesestück „Mein Moment der Ewigkeit“ die Jury überzeugt hatte. „Das was mir und uns allen am eindrucksvollsten an der Geschichte war, ist dass er uns nur mit seinen Worten, seiner Stimme und einer ausgefeilten Bildersprache in die Nähe des Propheten bringt“, begründete der Juryvorsitzende Ahmed Kreusch die Entscheidung. Obwohl er kein Jurymitglied gewesen sei, so Murad Hofmann bei der Überreichung des 1. Preises, habe er sich nach dem Anhören des Beitrags von Abu Bakr Heyn sofort gedacht: „Wenn das nicht der erste Platz wird, dann liegt die Jury schief.“ Heyns Siegerstück, dass er unterbrochen von Tränen vortrug, ist eine beeindruckende, sprachgewaltige Schilderung einer Begegnung mit dem Propheten im Traum, die die lebendige Beziehung zum Propheten, die aus der Liebe zu ihm und dem befolgen seiner Botschaft erwächst, auf bewegende Weise veranschaulicht. Es kam während der Veranstaltung mehrfach vor, dass Auftretende ihren Vortrag stellenweise kurz unterbrechen mussten, weil sie von Tränen überwältigt wurden, aus Liebe zum Propheten, was sich auch unmittelbar auf das Publikum übertrug.

Islamische Zeitung: Abu Bakr, könntest du dich kurz vorstellen und berichten, wie du zu deinem Beitrag, der ja den ersten Platz gewonnen hat, gekommen ist?

Abu Bakr Heyn: Ich bin 37 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Kinder. Ich wohne in Freiburg, habe Islamwissenschaften und Geschichte studiert und arbeite jetzt als Redakteur. Ich bin seit Jahren dabei, das “Dala’il Al-Klairat” von Al-Dschasuli zu übersetzen, das nun hoffentlich bald erscheinen wird. In meinem Beitrag zum Wettbewerb ist viel Inspiration aus dieser Übersetzungstätigkeit enthalten. Bei der Einleitung habe ich mir überlegt, wie man denn schön und lebendig zu dem Thema hinleiten kann. Ich habe da einen Einstieg gesucht, und zu diesem Zeitpunkt kam dann der Wettbewerb. Das Thema meines Beitrags ist also durch die Beschäftigung mit dem Dala’il Al-Khairat entstanden.

Islamische Zeitung: Wie bist du zu dieser ungewöhnlichen Form deines Beitrags gekommen?

Abu Bakr Heyn: Der Beitrag selbst ist etwas ganz anderes, nämlich eine Art Rap. Ich wollte einen Rap-Text machen und habe auch versucht, diesen auf einen Beat zu rappen, einen Sprechgesang zu machen. Dabei war Chaldun für mich ein sehr wichtiger Lehrer, der mich über HipHop aufgeklärt hat, wie man das alles macht, und der auch versucht hat, das mit mir auf einen Beat zu bringen. Wir haben also bei ihm zu Hause gesessen, und ich habe versucht, meinen Text auf einen Beat zu rappen. Ich hatte ihn auch so geschrieben, dass es ein Rap-Text ist, habe dann aber kurz vor der Abgabe gemerkt, dass es doch zu schlecht war und auch, dass es in dieser Form nicht meinem Wesen entspricht. Ich habe diese Kunstform nicht in dieser Perfektion drauf, dass ich das, was mich da bewegt hat und was ich erzähle, wirklich so rüberbringen kann. Ich habe dann den Text eher in gesprochener Form eingeschickt, und es ist jetzt eigentlich eine Art Rap-Poesie. Ein Gedicht, das noch Elemente des Rap hat, das ich aber noch ein wenig ausgebaut habe und das vielleicht etwas poetischer ist als ein Rap und in dieser Form vielleicht nicht mehr als Rap auf einen Beat passen würde.

Islamische Zeitung: Warum hast du an dem Wettbewerb “Zeig’ mir den Propheten” teilgenommen?

Abu Bakr Heyn: Ich schreibe, und im Februar diesen Jahres haben Chaldun [www.myspace.com/chaldun] und ich uns kennen gelernt. Wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden und uns sehr intensiv unterhalten, darüber, wie es ist, als Muslim Künstler zu sein. Ich wußte, dass er Musik macht, und war sehr begeistert von seiner Musik, fand sie sehr lebendig, spritzig und inspirierend. Ich habe ihm Texte von mir gezeigt und hatte einfach Lust, auch Rap zu machen, und ich möchte auch gerne Rap lernen. Chaldun hat mir dann erzählt, dass die Einsendefrist des Wertbewerbs verlängert worden war und dass er angesprochen worden ist, ob er nicht auch noch etwas einschicken wolle. Er hatte einen Song fast fertig und wollte ihn einschicken, und er sagte dann zu mir: “Schick’ du doch auch etwas ein”. Durch das Dala’il Al-Khairat war die Idee da, und ich habe gesagt, OK, ich schicke auch etwas ein. Und dann war es eben so, wie es im besten Falle bei einem Künstler ist: Es ist mir zugeflogen; auch wenn ich es selber höre oder es vortrage, habe ich nicht das Gefühl, dass es von mir ist. Ich stand gerade bei der Arbeit, und plötzlich kam die Inspiration, und ich habe den Text ins Notizbuch geschrieben. Alhamdulillah, das ist dabei herausgekommen. Ich habe den gesprochenen Text dann als CD eingeschickt. Ich habe dann gehofft, unter die ersten 10 zu kommen. Die Entscheidung hat sich dann sehr verlängert, man hat lange nichts gehört. Und plötzlich habe ich eines Abends, meine Mutter war gerade zu Besuch, um halb elf einen Anruf von einem Jury-Mitglied erhalten und erfahren, dass ich einstimmig den ersten Platz bekommen habe. Ich war hin und weg, ich hatte nicht damit gerechnet. Alhamdulillah tausend Mal.

Islamische Zeitung: Vielen Dank für das Gespräch und nochmals herzlichen Glückwunsch zum 1. Preis.

(Quelle Islamische Zeitung)