Islampress

Tarnkappen-Journalisten und die Mär von der radikalen Süßholz-Fraktion

von Abd al-Hafidh Wentzel

Nachdem es den deutschen Sicherheitsbehörden erfreulicherweise gelungen zu sein scheint, nach monatelangem Einsatz eine schon im Mai in Presseberichten erwähnte dreiköpfige Gruppe potentieller Massenmörder, dingfest zu machen, die angeblich von sich behaupten, Anhänger des Islam zu sein, übertreffen sich die unterschiedlichen Vertreter der Journalistenzunft gegenseitig darin, im Nebel herumzustochern und den geneigten Lesern ihrer Blätter und Internetausgaben ihre einmaligen sensationellen Hintergrundinformationen zu verkaufen. Dabei brilliert wieder einmal – wie so oft – Deutschlands vermutlich meistgelesene Kampfpostille des fundamentalistischen Vulgärmaterialismus, DER SPIEGEL, in seiner Online-Version mit detaillierter, vermeintlich akribisch recherchierter, Desinformation.

Da klärt ein „Islamismus-Experte“ dieses Blattes unter dem reißerischen Titel »Radikale Konvertiten: Durchmarsch zum Martyrium« seine Leser darüber auf, woran man solche „radikalen Konvertiten“ erkennen kann. Er schreibt:

Lässig kaut der junge Mann auf einem Zweig Süßholz herum, seinem Ersatz für eine Zahnbürste, ganz nach dem Vorbild des Propheten Mohammed.

Im zweiten Teil seiner Abhandlung erklärt uns der „Experte“ dann, wer die „Salafiten“ sind, indem er ihre Ideologie so beschreibt:

...der Salafismus, der besonderen Wert darauf legt, das Beispiel des Propheten und seiner Gefährten bis ins Detail nachzuahmen – die Süßholz-statt-Zahnbürste-Fraktion.“

Wenn der Autor auch nur die geringsten Kenntnisse des Islam besäße oder sich bei einem halbwegs gebildeten Muslim informiert hätte, müßte er wissen, daß es sich bei dem vermeintlichen „Süßholz“ um ein Miswak (auch Siwak genanntes Zahnholz handelt – in der Regel die Wurzel des in vielen Wüstengebieten vorkommenden Arak-Strauches, dessen Extrakt mittlerweile von Schweizer Pharmazieunternehmen wegen seiner mild desinfizierenden und adstringierenden Wirkung zur Herstellung von Zahnpasta verwendet wird.

Dieses Zahnholz hat in der Tat der Prophet Muhammad – der Segen und Friede Gottes seien auf ihm – bereits vor über vierzehnhundert Jahren zur täglichen mehrmaligen Zahn- und Mundpflege empfohlen. Dies zu einer Zeit, in der die Vorfahren der SPIEGEL-Herausgeber vermutlich noch als Leibeigene, ungewaschen und in verlausten Lumpen, gemeinsam mit ihrem Borstenvieh in Laubhütten hausten und ihre mageren Einkünfte für Ablasszahlungen an die lokalen Priester abzuliefern hatten oder, in Ermangelung von Toiletten, die Gräben ihrer Burgen mit ihren Exkrementen füllten, bis ihnen die andalusischen Muslime – jene Anhänger der „Stiftungsurkunde einer archaischen Hirtenkultur“ – die grundlegenden Regeln der Hygiene beibrachten.

Das Miswak, diese „natürliche Zahnbürste“, die in ihrem Inneren bereits die für die Zahnpflege notwendigen Substanzen enthält, und die nach Benutzung einfach ein wenig gekürzt und auf diese Weise so lange weiterverwendet wird, bis schließlich ein kleiner Stummel ohne Schaden für die Umwelt weggeworfen werden kann, wird bis heute weltweit täglich von Millionen von Muslimen – von vielfach eher spirituell orientierten Sufis über die unterschiedlichsten exoterischen Glaubensausrichtungen bis hin zu den extremistischen Wahhabiten – benutzt. All dies trotz weltweiter massiver Werbung der Industriekonzerne für ihre Plastik- und Elektrozahnbürsten und trotz der täglich und überall – wegen der angeblichen Vorteile ihrer jeweils neuesten chemischen Formeln – angepriesenen Zahnpasten, Mundwasser und Pflegemittel.

Der Versuch, den Lesern des SPIEGEL dieses Zahnholz nun als Erkennungsmerkmal einer radikal-islamischen „Süßholz-statt-Zahnbürste-Fraktion“ verkaufen zu wollen, wird zweifelsohne als eine weitere Glanzleistung in die Annalen des „fortschrittlichen Journalismus“ eingehen, in denen sich dieses Magazin und seine „Experten“ schon so manches Ruhmesblatt gesichert haben.

Offen ist allerdings die Frage nach den Beweggründen des Verfassers, eines „Islamismus-Experten“ mit dem wohlklingenden Namen Yassin Musharbash. Warum schreibt jemand so einen Schwachsinn? Diese Frage lädt geradezu zu Spekulationen ein:

Vielleicht will sich der Autor, weil er wegen seines auf einen „Migrationshintergrund“ hindeutenden, irgendwie muslimisch klingenden Namens unter einem Minderwertigkeitskomplex leidet, im Kreise seiner fortschrittlichen Journalistenkollegen als moderner Plastikzahnbürstenbenutzer profilieren?

Eventuell könnte es sich dabei um eine Art Konvertiten-Syndrom handeln, wie es bei manchen zum „fortschrittlichen Journalismus“ Übergetretenen – ähnlich wie bei anderen Konvertiten – häufig aufzutreten scheint. Herr Musharbash selbst erwähnt dieses Phänomen in seinem Artikel, indem er den niederländischen „Terrorforscher“ Edward Bakker mit den Worten zitiert: „Grundsätzlich neigen Konvertiten zur Überkompensierung, und das macht sie anfällig für radikale Ideen.”

Das Magazin, das ihn für seine Schreiberei bezahlt, nennt sich DER SPIEGEL. Herr Musharbash sollte vielleicht einmal in einen solchen schauen!

Eine weitere Möglichkeit wäre die: Vielleicht ist Herr Musharbash ein verdeckter Tarnkappen-Re-Konvertit, der nur zum Schein zum „fortschrittlichen Journalismus“ konvertiert ist und eine Plastikzahnbürste benutzt, um dann eines schönen Tages, vielleicht beim Schweinebratenschmaus der SPIEGEL-Redakteure im Anschluss an den gemeinsamen Kirchgang, mit seiner Freundin im Arm, ein mit hochkonzentriertem Wasserstoffperoxyd getränktes Süßholzzweigchen aus der Jackentasche zu ziehen, es in sein Bierglas zu tauchen und mit der daraus resultierenden gewaltigen Explosion als „radikaler Konvertit“ seinen „Durchmarsch zum Martyrium“ zu vollenden?

Nach der Ansicht eines von Herrn Musharbash in seinem Artikel „Gotteskrieger an der Heimatfront” genüsslich zitierten jordanischen „Experten“-Kollegen namens Fuad Hussein, der das angeblich existierende Phänomen der so genannten „Tarnkappen-Konvertiten“ beschreibt (...die ihre Konversion nicht mehr öffentlich machen, um getarnt zu sein, Schweinefleisch essen, in Kirchen gehen, und Freundinnen haben. Niemand weiß, wer sie sind, bis sie zuschlagen), wäre auch die letzte Variante ein durchaus denkbares Szenario!

Sicher sind das letztendlich alles Spekulationen, und nur Herr Musharbash und seine Auftraggeber kennen die wahren Gründe für die Verbreitung solch hanebüchenen Unsinns.

Fest steht jedoch bereits, daß sich Yassin Musharbash mit seiner umfassenden Unkenntnis der Materie und seiner blühenden Phantasie einen Ehrenplatz in der Riege der deutschen „Islam-Experten“ – von Gerhard Konzelmann über Alice Schwarzer und Hans-Peter Raddatz bis zu Peter Scholl-Latour – verdient hat, der ihm sicher in Bälde in Form einer entsprechend dotierten Auszeichnung vergolten werden wird.

Wichtig ist ihm und das sollen sich die SPIEGEL-Leser wohl merken – denn SPIEGEL-Leser wissen mehr! – was Herr Musharbash gegen Ende seines Artikels treffend formuliert:

„Wieso werden aus Neu-Muslimen Terroristen? Eine befriedigende Antwort, ein Profil gibt es noch nicht. Nur Indizien.”

Nun, ein wichtiges „Indiz“ hat Herr Musharbash ja schon beschrieben: es ist das Zahnholz der „Süßholz-statt-Zahnbürste-Fraktion.“

Es ist davon auszugehen, daß die Beamten der verschiedenen Sicherheitsbehörden – allesamt sicherlich fleißige SPIEGEL-Leser – demnächst verstärkt nach „Süßholzkauern“ fanden werden.

Gott schütze uns vor den Terroristen!

© 09/2007 Abd al-Hafidh Wentzel http://myelectronicdiary.wordpress.com