Islampress

Philosophen beim Verfassungsschutz?

Weil Nutzer des Blog-Anbieters wordpress.com den Schriftsteller Adnan Oktar (Harun Yahya) beleidigt haben sollen, haben dessen Anwälte bei einem türkischen Gericht erwirkt, daß der Zugang zu worldpress.com in der Türkei geschlossen wurde. – So ungewöhnlich dieser Vorgang an sich ist, so interessant ist, was bei dieser Gelegenheit und ganz nebenbei über die Aktivitäten des deutschen Verfassungsschutzes ans Licht kommt.

In ihrem Brief an den Betreiber des Blogs fordern Oktars Anwälte Kerim Kalkan und Ceyhun Gökdoğan vom diesem, alle Blogs, in deren Beiträge dder Name Harun Yagyas oder Adnan Oktars in allen möglichen Schreibvarianten vorkommt, einfach zu schließen. Der Herausgeber von wordpress.com, Matt, fragt in Anschluß an den vollständigen Abdruck des Briefes der Anwälte etwas ratlos: »I’m curious, particularly amoung our Turkish community, what do you think we should do about this? How should we respond?«

Die Anwälte Adnan Oktar beweisen mit ihrem Brief, daß eigentlicht verstehen, wie das Internet funktioniert. Denn jetzt braucht nur einer die Namen des Autors weltweit mit ein paar bösen Kommentaren ein bißchen zu verteilen, dann hat Harun Yahya das Gegenteil von dem erreicht, was er wollte. Außerdem muß man schon sagen: Wer die Kritik fürchtet, muß sich nicht mit seinen Thesen aus allen möglichen Fenstern lehnen. Die in viele Sprachen übersetzten Monographien des Autors haben einen guten Teil der muslimischen Welt regelrecht überschwemmt, ohne daß man dem Autor hätte widersprechen können. In der Welt des Internets aber ist das eben ganz anders. Trotzdem gilt natürlich, daß persönliche Beleidigung, auch im Internet, nicht erlaubt sein kann.

Deutlich wurde nun, daß sich auch der schwäbische Verfassungsschutz an weltanschaulichen Auseinandersetzung massiv beteiligt. So berichtet der österreichische Standard , der erfassungsschutzbericht Baden-Württembergs 2003 habe dem Autor laut der deutschen Zeitschrift “stern” eine “antiaufklärerische” Gesinnung zugeschrieben.

Dazu: Daß der Verfassungsschutz dem Autor Harun Yahya eine “antiaufklärerische” Gesinnung zuschreibt, halte ich für einen Skandal. Aber nicht, weil ich glaubte, er hätte diese Gesinnung nicht, sondern weil Fragen der Gesinnung den Staat und seine Schützer schlicht nichts angehen, so er nicht – der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch? – ein totaler bzw. totalitärer Staat sein will. Und abgesehen davon, frage ich: Wer von den Polizisten des Verfassungsschutzes kann mit solchen Fragen denn überhaupt sachgerecht umgehen? Wer von denen weiß denn etwas von der Aufklärung? Sind jetzt Philosphen oder Historiker beim Geheimdienst angestellt? Nein, es ist ein schlimmes Zeichen, wenn der sich mit Dingen beschäftigt, die ihn nichts angehen.

Unser Prophet Muhammad – Allah schicke Segen auf ihn und seine Leute und Frieden – hatte einmal gesagt: Nichts sei so unehrenhaft für einen Mann, wie, sich mit Dingen zu beschäftigen, die ihn nichts angehen.