Islampress

Evangelisches Krankenhaus verachtet das Erbe Jesu

Das Landesarbeitsgericht Hamm erlaubt einem Evangelischen Krankenhaus, einer muslimischen Krankenschwester zu vebieten, im Dienst ein Kopftuch zu tragen. Indem die Kirche sich darauf beruft, daß “Glaubensäußerungen zu Gunsten einer anderer Religion” ... ihren “Verkündungsauftrag” und “ihre Glaubwürdigkeit ernsthaft gefährden” könnten und so “das kirchliche Selbstbestimmungsrecht im Kernbereich beeinträchtigt” wäre, macht sie deutlich, in welch schwacher spirituellen Position sie sich fühlt.

Der Knackpunkt der Urteilsbegründung liegt, so weit ich sie verstanden habe, in folgenden Zeilen:

“Zu Gunsten der Beklagten ist zu berücksichtigen, dass sie, dürfte die Klägerin bei der Arbeit ein religiös motiviertes Kopftuch tragen, es nicht nur hinnehmen müsste, dass während der Arbeitszeit Glaubensäußerungen zu Gunsten einer anderer Religion getätigt und sowohl von den anderen Mitarbeitern wie auch von den Patienten und den Besuchern wahrgenommen werden. Die Beklagte müsste zudem damit rechnen, dass andere nichtchristliche Mitarbeiter ebenso wie die Klägerin während der Arbeitszeit Glaubensäußerungen und –bekundungen zu Gunsten der Religionsgemeinschaft, der sie jeweils angehören, tätigen werden. Das könnte den Verkündungsauftrag der Kirche und ihre Glaubwürdigkeit ernsthaft gefährden. Außenstehende könnten den Eindruck gewinnen, die Kirche lasse eine Relativierung ihrer Glaubensüberzeugungen zu und halte Glaubenswahrheiten für beliebig austauschbar. Zwänge man der Beklagten Beliebigkeit und religiösen Pluralismus auf diese Weise auf, so wäre das kirchliche Selbstbestimmungsrecht im Kernbereich beeinträchtigt. Die Beklagte muss sich nicht entgegenhalten lassen, ein kirchlicher Arbeitgeber habe sich mit der Entscheidung, auch nichtchristliche Mitarbeiter einzustellen, bereits für eine Form religiösen Pluralismus entschieden (so aber Arbeitsgericht Köln, Urteil vom 06.03.2008 – 19 Ca 7222/07). Die Beklagte hat sich weder ausdrücklich noch stillschweigend im Sinne einer Zurückstellung eigener Glaubenswahrheiten zu Gunsten eines religiösen Pluralismus geäußert.” (vollständiger Wortlaut)

In Kurzform wird behauptet, daß “Glaubensäußerungen zu Gunsten einer anderer Religion … den Verkündungsauftrag der Kirche und ihre Glaubwürdigkeit ernsthaft gefährden” könnten und so “das kirchliche Selbstbestimmungsrecht im Kernbereich beeinträchtigt” wäre.

Was wir hier sehen, ist neben Engstirnigkeit und Verkniffenheit eine in Glaubenssachen offenkundig maßlos verunsicherte Evangelischen Kirche. Wie ist es möglich, daß eine einzige kopftuchtragende Muslimin – daß andere nichtchristliche Mitarbeiter dadurch dazu verlockt werden könnten, ebenfalls Glaubensäußerungen zu tun, ist bloß ausgedacht, ein Hirngespinst – den Verkündigungsauftrag der Kirche, und das noch “ernsthaft”, wie es heißt “gefährden” und das Selbstbestimmungsrecht der Kirche “im Kernbereich” beeinträchtigen würde.

Eine “Kirche”, die die religiöse Pflichterfüllung eines Mitmenschen auf diesem Planeten – das hat in seiner Innerlichkeit ja auch überhaupt nicht den unterstellten Charakter einer religiösen Demonstration – so wenig respektiert, ja sich selbst davon bedroht fühlt, kann nur vom Teufel und im Begriff sein, sich in ihrer Spiritualität selbst aufzulösen.

Der, auf den sie sich perverserweise dabei beruft, Jesus Christus nämlich, der Friede sei auf ihm, steht und stand schon immer auf der Seite solcher Leute wie dieser Frau, die sich entsprechend den Regeln ihrer Religion bedeckt. Genauer besehen folgt diese Frau damit dem, was der Herr Jesus selbst vertreten hat, und es ist nicht ohne eigentümlichen Witz, daß sie gegenüber der Evangelische Kirche selbst und dem Paulinische Christentum insgesamt wie alle Muslime die wahre Erbin Jesu Christi.

Das hatte auch der Religionshistoriker H. J. Schoeps deutlich erkannt, der sein richtungsweisendes Werk “Das Judenchristentum” mit dem bemerkenswerten Satz beschließt: «Und somit ergibt sich als Paradox wahrhaft weltgeschichtlichen Ausmaßes die Tatsache, daß das Judenchristentum zwar in der christlichen Kirche untergegangen ist, aber im Islam sich konserviert hat und dadurch in einigen seiner treibenden Impulse bis in unsere Tage hineinreicht.» (vgl. ISLAMPRESS)

Da kann man dem Direktorium des Evangelischen Krankenhauses nur zurufen:

“O ihr Kleingeistigen, glaubt ihr vielleicht, der Herr der Universen, der Allmächtige Gott, würde es unbestraft lassen, daß ihr das Erbe seines geliebten Propheten Jesus so sehr verachtet, daß ihr einer Frau, die seinen Regeln folgt, verbieten wollt, in eurem Krankenhaus zu arbeiten und himmlische Segen zu verbreiten und auch die Sterbenden auf leichte und schöne Weise in ein neues Leben hinüberzugeleiten? – Glaubt ihr wirklich, ihr kommt damit durch?”