Islampress

Bereiten wir uns auf die Nacht der Geschicke vor!
























Bereiten wir uns auf die Nacht der Geschicke, die Lailatu l-Bara’a, vor! – Es wird in-shâ Llâh die Nacht von Dienstag auf Mittwoch sein, die vom 3. auf den 4. Juli 2012. In dieser Nacht werden die Geschicke der Menschen neu festgelegt, also bestimmt, ob jemand leben oder sterben wird, ob er arm oder reich sein wird. In dieser Nacht steigt Allah, subhanahu wa taala, bis in den ersten Himmel hinunter und fragt: «Wer ruft Mich an, damit Ich ihn erhöre? Und wer verlangt (etwas) von Mir, damit Ich es ihm gebe? Und wer bittet Mich um Verzeihung, damit Ich ihm verzeihe?»

Dieses Neuschreiben der Bücher des Geschicks ereignet sich in der Nacht des fünfzehnten Sha‘bân, zwei Wochen vor Beginn des Ramadân. Es ist dies eine sehr große, heilige Nacht.

Zwischen Maghrib und ‘Ishâ’ dieser Nacht ist es dem Todesengel untersagt, die Seelen der Menschen zu nehmen. In dieser Nacht wird eines jeden Los im kommenden Jahr beschlossen: ob er leben wird oder sterben, ob er heiratet und Kinder haben wird, ob er reich sein wird oder arm. Deshalb wird das Fasten sowohl für den Tag vor wie für den nach dieser Nacht empfohlen.

Es ist üblich, in der Nacht des fünfzehnten Sha‘bân hundert Raka‘ât zu beten: Nach der Fâtiha betet man zehn Qul hû, oder aber man betet zehn Raka‘ât, in jeder Rak‘a nach der Fâtiha hundert Qul hû, aber hundert Raka‘ât zu beten, ist wohl besser. Man sagt nach jeweils zwei Raka‘ât Taslîm: As-salâmu ‘alaikum wa rahmatu llâh … Diese Nacht des fünfzehnten Sha‘bân heißt auch Lailat al-Barâ’a, und sie ist eine der fünf Nächte des Jahres, in welcher das abgestorbene Herz zu neuem Leben erweckt wird.

Eine heilige Nacht zu durchwachen und mit Gebet zu verbringen, erweckt das Herz zu neuem Leben. Das Leben des Herzens ist der Glaube und sein Tod der Unglaube. Und wenn auch der Glaube aus der ganzen Welt verschwunden zu sein scheint, im menschlichen Herzen lebt er weiter und kann jederzeit erweckt werden. Deshalb ist es zu unserem Besten, die heiligen Nächte durch unsere Gebete zu beleben, soviel wir nur vermögen.

Es gibt fünf solcher Nächte im Jahr: die Nacht des fünfzehnten Sha‘bân, Barâ’a, die siebenundzwanzigste Nacht des Rama¡ân, Lailat al-Qadr, die Nächte der beiden ‘Îd-Feste und die Nacht von Donnerstag auf Freitag. Wer in diesen Nächten sein Gebet besonders pflegt, dessen Glaube wird im Herzen wiederbelebt und erhält neue Kraft.

Aber der heilige Prophet empfahl auch, nach dem fünfzehnten Sha‘bân bis zum Beginn des Rama¡ân nicht mehr zu fasten – dies gilt für diejenigen, die es sich nicht zur Gewohnheit gemacht haben, jeden Montag und Donnerstag während des Rajab und Sha‘bân zu fasten; für sie ist es makrûh, unerwünscht, nach dem fünfzehnten des Sha‘bân zu fasten, denn sie sollten für den kommenden Rama¡ân, in dem sie zum Fasten verpflichtet sind, ihre Kräfte sammeln. Aber für solche, die das Fasten an diesen Tagen gewohnt sind, besteht keine Einschränkung.

Eines Tages, es war der dreizehnte des Sha‘bân, erschien dem heiligen Propheten der Engel Gabriel und sprach zu ihm: »O Prophet Allâhs, bete und flehe inständig für deine Gemeinde, auf daß Allâh der Allmächtige sie vor der Hölle bewahre!« Der heilige Prophet tat, wie ihn der Engel geheißen, schlief die ganze Nacht nicht und betete ohn’ Unterlaß für seine Umma. Als die Sonne aufgegangen war, kam der Engel zu ihm, lächelte und sprach: »O Prophet Allâhs, ich bringe dir ein gutes Zeichen: Allâh hat einem Drittel deines Volkes (Umma) vergeben.« Der heilige Prophet fragte: »Und die übrigen zwei Drittel?« Der Engel antwortete: »Darauf weiß ich nichts zu sagen.«

In der nächsten Nacht, der des vierzehnten Sha‘bân, kam der Engel Gabriel abermals zum heiligen Propheten Muhammad und hieß ihn wieder für seine Gemeinde beten, auf daß Allâh der Herr sie vor der Hölle errette. Der heilige Prophet betete und flehte wieder die ganze Nacht für sein Volk. Am Morgen kam der Engel zu ihm und brachte ihm Kunde, daß Allâh der Allmächtige in Seiner erhabenen Gnade sein Gebet erhört habe und ein weiteres Drittel der Gemeinde des Propheten freigelassen habe. »Und was wird aus dem dritten Drittel?« fragte der heilige Prophet. »Darüber weiß ich nichts zu sagen«, antwortete der Engel.

Aber in der dritten Nacht, der Nacht des fünfzehnten Sha‘bân, kam der Engel wiederum zum heiligen Propheten und sagte: »O Muhammad, dies ist die heilige Nacht des fünfzehnten Sha‘bân, die voll unvergleichlicher Gnade ist. In dieser Nacht läßt der Herr ein Vielfaches an Barmherzigkeit auf die Menschen herab – sieh nur, richte dein Auge auf den Himmel!« Der heilige Prophet hob den Kopf und schaute hinauf zum Himmel, und es wurden ihm die geöffneten Himmelspforten gezeigt, die Tore aller acht Paradiese weit geöffnet! Vor jedem Tor stand ein torhütender Engel, und alle riefen: »O Bruder Gabriel, was ist dies für eine besondere Nacht?« »Dies ist die Nacht der Gnade und Vergebung«, sprach Gabriel zum heiligen Propheten, »drum bete die ganze Nacht hindurch und ersuche deinen Herrn um Vergebung, und heiße auch deine Gemeinde beten.«

Dann hörte der heilige Prophet den Engel des ersten Himmels, wie er sprach: »Glücklich ist der, der in dieser Nacht Buße tut.« Und er hörte den Engel des zweiten Himmels kundtun: »Glücklich ist der, der diese Nacht im Gebet verbringt.« Der Engel des dritten Himmels sprach: »Glücklich der, der in dieser Nacht Rukû’ macht, Verbeugung.« Der Engel des vierten Himmels verkündete: »Glücklich der, der sich in dieser Nacht in Sajda niederwirft.« Der Engel des fünften Himmels lehrte: »Glücklich ist der, der in dieser Nacht den Herrn preist.« Und die Botschaft des Engels des sechsten Himmels lautete: »Glücklich ist der, der in dieser Nacht Gutes tut.« So lobten alle Engel des Himmels den Segen der heiligen Nacht.

Der heilige Prophet fragte den Engel Gabriel, wie lange der Segen dieser Nacht andauern würde, und der Engel antwortete: »Bis zum Anbruch der Morgenröte.« Daher sollten wir diese heilige Nacht so viel wie möglich mit Gebeten verbringen, denn Barâ’a heißt soviel wie »Freispruch«, »Vergebung«.

Eines Nachts erwachte A‘îshâ’, die Frau des heiligen Propheten, und fand den Propheten nicht an ihrer Seite. Sie erhob sich, um ihn zu suchen, aber fand ihn auch nicht in den Häusern seiner anderen Frauen. Dann ging sie zum Hause seiner Tochter Fâ†ima und fragte nach ihm. Er war nicht dort. Sie suchten ihn gemeinsam, aber fanden ihn nirgends. Schließlich sagte sein Schwiegersohn ‘Alî: »Ich weiß, wo wir ihn finden werden.« Er führte sie zu dem Platz, der jetzt der Friedhof Jannat al-Baqî‘ ist und den der heilige Prophet zu Lebzeiten oft aufsuchte. Dort fanden sie ihn in einem Winkel kauern; sie sahen sein Licht, das gleich einer Säule zum Himmel aufstieg. Sie näherten sich ihm, und Fâ†ima rief ihn: »Vater, Vater …« Aber er gab keine Antwort.

Als sie zu ihm kamen, fanden sie ihn in Sajda am Boden liegen, und Tränen strömten über sein Antlitz. Sie fielen auch neben ihm nieder und begannen zu weinen. Dann fragten sie ihn: »O Prophet Allâhs, was hast du vernommen? Ist es eine Offenbarung oder die Ankündigung einer Katastrophe, einer Gottesstrafe, oder steht der Feind vor den Toren?« »Nein«, antwortete ihnen der heilige Prophet, »weder Offenbarung noch Feind, noch Gottesstrafe, aber wisset: Diese Nacht ist die Nacht von Barâ’a, Vergebung, und kein Gebet und keine Bitte werden in dieser Nacht unerhört bleiben. Ich bitte Allâh darum, daß Er meine Gemeinde vor der Hölle schütze, kommt und helft mir darum beten …« So beteten sie alle gemeinsam in dieser Nacht, ‘Alî, Fâ†ima, Óasan, Óusain und ‘Â’isha, und verharrten im Gebet bis zum Anbruch der Dämmerung…”

[Texte aus dem Buch von Amina Adil: Ramadan aus dem Spohr Verlag.]




Es ist beliebt, in dieser Nacht dreimal suratu l-yasin mit verschienenen Absichten zu rezitieren:

1. mit der Bitte um ein langes Leben mit wachsendem Islam und Insan,

2. mit der Bitte um Schutz des einzelnen und der Gemeinschaft vor Feiden und Krankheiten,

3. mit der Bitte um eine gute materielle Versorgung, die einen von anderen unabhängig macht.

100 Rakats, jeweils nach der Fatiha: 10 mal suratu l-ikhlâs oder 10 Rakats, jeweils nach der Fatiha: 100 mal suratu l-ikhlâs.

Wir wünschen euch eine gesegnete Lailatu l-Bara’a!