Islampress

ARD-Tagesschau im Info-Krieg (2) - Das Interview






Daß die ARD Thomas Roths Interview mit Rußlands Ministerpräsidenten Wladimir Putin von 27 Minuten auf ganze zehn gekürz hatte, derweil man fünf volle Stunden über den amerikanischen Wahlkampf berichtete, war angesichts der weltpolitischen Bedeutung des Interviews für sich genommen schon eine Ungeheuerlichkeit, daß aber neben anderen wichtigen Aussagen Putins gerade die erste und die Grundlagen des Interview entscheidend bestimmende Gesprächspassage einfach getilgt wurde, ist Ausdruck einer knallharten Zensur, zugleich ein massiver Betrug am Gesprächspartner, eine ekelhafte Täuschung des Zusschauers und ein medienpolitischer Skandal, der deutlich macht, daß die ARD ihrem medialen Auftrag nicht nur nicht nachkommt, sondern ihm in häßlichster und geradezu konspirativer Weise zuwiderhandelt.

Um so mehr ist dem Blogger Azot zu danken, des das russische Typoskript des vollständigen Interviews ins Deutsche übertragen und hier veröffentlicht hat. Jens Berger bringt im Spiegelfechter den Text des im russischen Fernsehen ungekürzt gesendeten Interviews mit einer farblichen Auszeichnung all der von der ARD weggelassenen Stellen.


DIE ENTSCHEIDENDE, VON DER ARD WEGZENSIERTE PASSAGE IST ROT AUSGEZEICHNET

Thomas Roth: Herr Ministerpräsident, nach der Eskalation in Georgien sieht das Bild in der internationalen Öffentlichkeit so aus damit meine ich Politik, aber auch Presse: Russland gegen den Rest der Welt. Warum haben Sie Ihr Land mit Gewalt in diese Situation getrieben?

Wladimir Putin:Was meinen Sie, wer hat den Krieg begonnen?

Thomas Roth:Der letzte Auslöser war der georgische Angriff auf Zchinwali.

Wladimir Putin:Ich] Danke Ihnen für diese Antwort. So ist es auch, das ist die Wahrheit. Wir werden dieses Thema später ausführlicher erörtern. Ich möchte nur anmerken, dass wir diese Situation nicht herbeigeführt haben.
 Ich bin überzeugt, dass das Ansehen eines jeden Landes, das im Stande ist, das Leben und die Würde der Bürger zu verteidigen, eines Landes, das eine unabhängige Außenpolitik betreiben kann, dass das Ansehen eines solchen Landes mittel- oder langfristig steigen wird. Umgekehrt: Das Ansehen der Länder, die in der Regel die Interessen anderer Staaten bedienen, die die eigenen nationalen Interessen vernachlässigen unabhängig davon, wie sie das auch erklären mögen , wird sinken …


DIE BERUFUNG AUF ZEITNOT IST KEINE RECHTFERTIGUNG DER KÜRZUNG

Wollte sich die ARD darauf berufen, daß sie aus Zeitnot das Interview eben hatte kürzen müssen, so muß sie sich sagen lassen, daß umgekehrt die Beschneidung eines Gesprächs von weltpolitischer Bedeutung auf ein gutes Drittel sich selbst dem Verdacht aussetzt, von vorneherein mit Zensurabsicht beschlossen worden zu sein.

Und wer sich hier auf die kantische Einsicht berufen wollte, daß alles was man sagt, zwar wahr sein müsse, darob es aber keineswegs nötig sei, alles, was wahr ist, auch zu sagen, muß sich entgegenhalten lassen, daß eine mit Täuschungsabsicht geschehene Unterlassung etwas ganz anderes ist, die rüde Verschweigung dessen, was ein anderer als von wesentlicher Bedeutung ins Feld führt, ein ganz anderer Fall. Wie sehr das gilt, wird deutlich, wenn man die Bedeutung der Tilgung einmal näher in den Blick nimmt.


DIE BEDEUTUNG DER TILGUNG DER ANFANGSPASSAGE

Die Infamie der ARD-Verantwortlichen, gerade diesen ersten und wichtigsten Beitrag des russischen Ministerpräsidenten – «Was meinen Sie, wer hat den Krieg begonnen?» und die Antwort Roths «Der letzte Auslöser war der georgische Angriff auf Zchinwali.» einfach gestrichen zu haben, wird deutlich, wenn man sich klarmacht, daß in diesen Passagen die Grundlagen überhaupt des ganzen Gesprächs gelegt worden sind. Der Interviewte hat sich in ihnen dessen versichert, daß der ihm gegenübersitzende Journalist auch das Faktum anerkennt, daß Georgien den Krieg begonnen hat, was ja von den Mainstrem-Organen Europas einschließlich der ARD bislang im wesentlichen bedeckt gehalten worden war, da man neboulös davon gesprochen hatte, es sei in Südossetien ein Krieg «ausgebrochen» (vgl. ARD-Tagesschau im Info-Krieg-1) oder auf der ARD-Seite «Fragen und Antworten» die Frage, wer an der Eskalation des Georgien-Konflikts schuld wäre, noch heute wider besseres Wissen beispielsweise damit beantwortet wird, es gebe auf diese Frage «keine eindeutige Antwort». Gerade vor dem Hintergrund einer wahrheitsleugnenden NATO-positionsgemäßen Hofberichterstattung solcher Art wird deutlich: Ohne jene gemeinsame Verständigung auf die Anerkennung des grundlegenden Faktums eines georgischen Angriffs als Auslöser des ganzen Konflikts wäre das Gespräch zwischen Roth und Putin bzw. seine Fortführung gar nicht möglich gewesen. Hätte Roth nicht dieses wesentliche Faktum anerkannt, hätte Putin das Gespräch mit gutem Grund sofort beenden können.

In der einfach wegzensierten Passage hatten sich Roth und Putin auf die gemeinsame Grundlage des ganzen Interviews geeinigt. Niemand der ARD kann sich hier damit reinschwätzen, es hätte ja gekürzt werden müssen. Denn daß man gerade die Anfangspassage gelöscht hatte, bedeutet einen eklatanten Vertrauensbruch Putin gegenüber, einen häßlichen Betrug, einen Verstoß gegen Grundprinzipien des Journalismus, eine absolute Unverschämtheit, die nicht ohne Konsequenzen bleiben darf.


NOTWENDIGE KONSEQUENZEN

Es kann nicht angehen, daß eine ARD-interne Mafia unter dem Titel des Öffentlich-Rechtlichen dermaßen hinterhältigen Vertragsbruch am Interviewpartner übt, dabei zugleich die deutsche Öffentlichkeit in geradezu krimineller Weise hintergeht. Das kann nicht einfach hingenommen werden. Der Verantwortliche muß wegen gröbster Verstöße gegen die wesentlichste seiner Pflichten und jeden Anstand sofort entlassen werden.

Wenn er nicht entlassen wird, kann das ein schwerwiegender Beweis dafür sein, daß die ARD kriminelle Machenschaften wie Lug und Trug trägt und befördert. Und das ist dann ein wahrlich schöner Grund, die gesamte propagandaministrial ausgerichtete Mischpoke der Öffentlich-Rechtlichen sofort aufzulösen bzw. ihr alle öffentlichen Gelder stante pede zu sperren, ihren harten Kern aber möglicherweise der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit des Kanzleramtes zu unterstellen, wo er wohl immer schon hingehört hätte.

Und wer noch irgendwelche Zweifel daran haben möchte, daß die ARD bzw. die ehrwürdige Tagesschau zu einem Organ professioneller Täuschung geworden ist, solle das unübersehbar deutliches Indiz der Täuschungsabsicht der ARD in dem Umstand erkennen, daß man kein Transskript des vollständigen Interviews – das wäre ja von jedem Zeitzwang unabhängig machbar gewesen – , sondern auch im Internet nur den Text der gesendeten Torso-Fassung bereitgestellt hatte.

Daß die ARD nach massiven Protesten und zähestem Widerstand nun endlich das Typoskript des vollständig übersetzten Interviews in ihrer Mediathek eher versteckt als veröffentlicht hat, ändert gar nichts an der dort hinterhältig ausgeübten konspirativen Zensurpraxis. Wo kommen wir denn hin, wenn eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt erst nach Ausübung massiven öffentlichen Drucks widerstrebend das zu tun bereit ist, was recht eigentlich schon immer ihre Pflicht gewesen war!

Daß die ARD erst dazu gezwungen werden mußte, die Wahrheit zu sagen, gibt selbst den besten Grund dazu, den ganzen Laden aufzulösen. Die Wahrheit ist gerade angesichts hochbrisanter politischer Ereignisse ein zu hohes Gut, als daß es gestattet sein dürfte, daß professionelle Verdreher ihrer ihr schmutziges Geschäft weiter ausüben.